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Bühnenbedachung NON-OpenAir Meggen

Was ist die Geschichte hinter diesem Projekt? Wie kam es zu deiner Mitarbeit?

Im Herbst 2016 fand die fünfte Ausgabe des NON-OpenAir auf dem Weingut Sitenrain in Meggen statt. Das kleine Gratis-Musikfestival hat sich über Jahre zu einer festen Grösse im Luzerner Veranstaltungskalender entwickelt. Für die Jubiläumsausgabe sollte die in die Jahre gekommene Bühnenbedachung ersetzt werden. Da ich seit Langem als Helfer beim Festival involviert bin, wurde ich angefragt, die Planung der neuen Bühne zusammen mit Silvan Heggli und einem Team aus OK-Leuten des Festivals zu übernehmen.

Was hat dich an diesem Projekt fasziniert? Was nimmst du für deine künftige Tätigkeit daraus mit?

Am schönsten war für mich, dass ich dieses Projekt mit Freunden planen und bauen durfte. Es wurde von vielen Leuten ehrenamtlich sehr viel Herzblut investiert. Ich versuche auch im Arbeitsalltag, mit Mitarbeitenden, Architekten, Unternehmern, Bauherren und allen weiteren Projektbeteiligten in freundschaftlicher Art zusammenzuarbeiten. Ich bin überzeugt davon, dass Ausserordentliches entstehen kann, wenn alle am selben Strick ziehen.

Wie seid ihr auf die zündende Idee gekommen?

Bereits die alte Bühne war aus Holz und hatte die Form einer Viertelkugel. Den hohen Wiedererkennungswert dieser Form wollte man erhalten, jedoch sollte die Bühne robuster und einfacher zu montieren sein. Für die Form der Elemente liess ich mich durch Buckminster Fuller’s Bucky Ball inspirieren – eine grosse geodätische Kugel-Konstruktion, die er für die Weltausstellung 1967 in Montreal gebaut hatte. Indem bei unserer Konstruktion die „Speichen“ der Elemente deutlich dünner sind als die Holzlamellen, zeichnen sich die Dreiecke der Struktur weniger ab und die organischer wirkenden Fünf- und Sechsecke dominieren die Erscheinung.

Wie lange haben die Planung und die Ausführung gedauert?

Die Planung begann ungefähr neun Monate vor dem Ersteinsatz. Die Elemente haben wir an zwei bis drei verlängerten Wochenenden produziert. Die eigentliche Montage dauert inzwischen mit fünf Personen noch knapp einen Tag.

Waren noch andere Personen / Institutionen am Projekt beteiligt?

Es waren gut 20 Freiwillige aus dem Kreis des NON-OpenAir-Festivals an der Realisierung beteiligt - zu Beginn bei der Planung und dann vor allem bei der Produktion der Bühnenkonstruktion. Ohne diese wäre die Realisierung des Projekts nicht möglich gewesen. Ich hatte das Glück, dass ich auch Unterstützung aus meinem Arbeitsumfeld erhielt. ROK Architekten aus Zürich haben mich intensiv und kostenlos unterstützt, das 3D-Modell so aufzubauen, dass daraus direkt die Abbunddaten für die Holzlamellen gezogen werden konnten. Diese Lamellen hat uns Künzli Holz aus Davos kostenlos geliefert. Die Werkplanung der Membrane haben mein Arbeitgeber WaltGalmarini AG und unser Partnerbüro BlessHess AG beigesteuert.

Was war eure Rolle bei der Umsetzung?

Das Schöne war, dass wir bei diesem Projekt den Grossteil selber machen konnten - vom ersten Entwurf, den statischen Berechnungen und der Entwicklung der konstruktiven Details bis zum Eindrehen der letzten Schraube. Vor allem der Zusammenbau der Elemente an vielen Abenden und Wochenendenauf dem Sitenrain hat viel Spass gemacht. Das Schöne war, dass wir bei diesem Projekt den Grossteil selber machen konnten.

Wieviel hat das Projekt gekostet und wer hat es finanziert?

Da die ganze Arbeit ehrenamtlich geleistet wurde, können die Kosten des Projekts nur schwer geschätzt werden. Die reinen Materialkosten beliefen sich auf ungefähr 10 000 Franken. Ein Teil wurde von der Curaden AG gesponsert, den Rest haben sich unser Partnerfestival«Funk am See» und wir geteilt.

Wird die Bühne noch einmal verwendet oder war dies eine einmalige Sache?

Die Bühne wird intensiv genutzt. Wir durften sie schon für das Moon&Stars in Locarno, zwei Mal für das Funk am See in Luzern und für ein kleines Festival im Goms aufstellen. Am 22. und 23. September stand sie bereits zum dritten Mal an unserem eigenen Festival im Sitenrain in Meggen.

Wie bist du auf die Idee gekommen, Ingenieur zu werden, wer hat dich inspiriert?

Mir fiel es nicht leicht, mich für eine Studienrichtung zu entscheiden. Das Bauen hat mich aber schon immer fasziniert. In einer Zimmerei konnte ich im Rahmen von Ferienjobs erste Bauerfahrungen sammeln und in den Pfadilagern die ersten eigenen Bauten planen und umsetzen. Dass der Bauingenieurberuf viele Türen offen lässt und die möglichen Tätigkeitsbereiche sehr breit sind, hat mir meine Entscheidung leichter gemacht. Den Ausschlag gegeben hat schlussendlich der Ehemann meines Gottis. Obwohl er selber nicht Bauingenieur ist, hat er mir dieses Studium empfohlen, weil er als Finanzverantwortlicher bei der AlpTransit Gotthard AG viele gute Erfahrungen mit Ingenieuren gemacht hat.

Was ist das Faszinierendste an deinem Beruf?

Wir dürfen unsere Umgebung mitgestalten! Es ist ein unheimlich gutes Gefühl zu sehen, wie unsere Konstruktionen genutzt und geschätzt werden. Und da jeder Bau ein Prototyp ist, wird die Arbeit auch nie langweilig.

Was überwiegt in der Waagschale: Kreativität oder Rechnen?

Ein solides Fachwissen ist die Grundvoraussetzung für unsere Arbeit. Ein guter Ingenieur braucht allerdings obendrauf viel Kreativität. Das gemeinsame Entwerfen eines Bauwerks mit den Architekten ist vielmehr ein kreativer als ein technischer Prozess. Aber auch das Entwickeln eines konstruktiven Details braucht viel Kreativität, um allen verschiedenen Ansprüchen wie Statik, Kosten, Bauablauf, Bauphysik, Brandschutz etc. genügen zu können.

Wo siehst Du Dich in 10 Jahren?

Ich denke, dass ich auch in 10 Jahren noch als Ingenieur arbeiten werde. Mir liegen zwar Managementaufgaben und ich mache sie gerne, aber am meisten erfüllen mich das Entwerfen, Planen und Umsetzen von schönen Bauwerken, die für die Gesellschaft und Umwelt Mehrwerte schaffen.



"Ich fände es sehr spannend, unsere Erfahrung im Hochhausbau und im Holzbau miteinander zu kombinieren, um in Holz richtig hoch hinaus zu bauen"

Michael Büeler ist Bauingenieur ETH und arbeitet seit mehreren Jahren bei WaltGalmarini AG.

2017 hat er den begehrten Building Award in der Kategorie "Young Professionals" gewonnen. Das kleine NON-OpenAir baute sich eine mobile Bühnenbedachung aus Holz. Handliche, vorgefertigte Fünf- und Sechseckelemente werden über robuste Verbindungen vor Ort im Freivorbau ohne Maschinen zu einer Viertelkugel zusammengebaut. Mit einer Membran wird diese gedeckt. Dank interdisziplinärer Zusammenarbeit und viel ehrenamtlichem Engagement entsteht eine Struktur mit hohem Wiedererkennungswert.

Seit 2015 setzt sich der Building-Award für mehr Nachwuchs ein. Am 6. Juni 2019 wird zum dritten Mal der Building-Award verliehen. Bewertet und ausgezeichnet werden herausragende, besonders bemerkenswerte und innovative Ingenieursleistungen am Bau. Die besten Akteure werden an der Awardverleihung in einem würdigen Rahmen geehrt. Dass die diversen Ingenieursgattungen die Bauwerke bezüglich Statik, Technik und Formgebung massgeblich prägen und beeinflussen, wird oft zu wenig erkannt und anerkannt. Der Building-Award soll den Ingenieurberufen am Bau die verdiente Aufmerksamkeit verschaffen und die Berufe für den Nachwuchs bekannter und attraktiver machen. Der Anlass wird alle zwei Jahre durchgeführt und ist durch die qualitativ hochwertigen Inhalte ein bedeutender Treffpunkt wichtiger Entscheidungsträger.

www.building-award.ch

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